Chronik rechter Aktivitäten

Rechte Aktivitäten melden

Newsletter abonnieren

Spende für die K²-Kulturkiste

Begegnung

Mit Hilfe des Maximilian-Kolbe-Werkes und dem Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal wurde es auch dieses Jahr wieder KZ-Überlebenden aus Osteuropa möglich, einen Erholungs-und Begegnungsaufenthalt in Ostritz zu erleben.

Ein Teil der 15 ehemaligen Häftlinge des KZ Ozarichi (Weißrussland) sind zum ersten Mal nach Deutschland gekommen. Am 24.07.08 startete ihre Reise am Minsker Flughafen. Innerhalb der zwei Wochen stand viel Ereignisreiches auf dem Reiseplan - neben Ausflügen nach Görlitz, Dresden und Zittau auch eine Begegnung mit deutschen Jugendlichen. Auch dieses Jahr durften wir wieder an der ZeitzeugInnenbegegnung teilnehmen, die uns immer sehr beeindruckt. Am Freitag reisten wir zum Kloster St. Marienthal an und bezogen unsere Zimmer im Gästehaus "St. Franziskus".
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen fuhren wir zusammen mit der weißrussischen Gruppe nach Bautzen. Nach einer kleinen Stadtführung schauten wir uns gemeinsam das sowjetische Soldatendenkmal an, bevor wir rechtzeitig zum Mittagessen zurück nach Ostritz fuhren. Am Nachmittag saßen wir in einer Runde zusammen um uns auszutauschen. Die ZeitzeugInnen zeigten großes Interesse an unserer Arbeit und stellten viele Fragen über die heutige Naziszene. Vorallem interessierte sie, welche Organisationsformen die Nazis annehmen und woher sie ihr Geld beziehen. Erschüttert zeigten sie sich, als sie erfuhren, dass Nazis heute wieder in den Parlamenten sitzen. Anschliessend erzählten sie von ihrem Leben während des Nationalsozialismus. Alle 15 Überlebenden kamen als Kinder in das Lager unweit von Ozarichi. Sie sahen wie Menschen auf Todesmärschen in das Lager durch Erschöpfung am Wegesrand liegen blieben und zu Tode geprügelt oder erschossen wurden. Im März 1944 kam Nadjeschka mit ihren 5 Geschwistern und ihrer Mutter in das KZ Ozarichi, welches als menschliches Schutzschild vor der anrückenden Sowjetarmee diente. Sie verbrachte unter menschenunwürdigen Umständen zwei lange Wochen dort. Innerhalb dieses Zeitraumes verlor sie ihre jüngsten Geschwister, die erfroren bzw. an Thyphus starben. Ähnliches erlebten auch die anderen 14 ehemaligen Häftlinge. Eine Überlebende erzählte von ihrer Schwester, die in Leipzig in einem Lager interniert war und für die Deutschen in der Rüstungsproduktion arbeiten musste. Ihr lag sehr am Herzen, dass dies nicht in Vergessenheit gerät, dehalb fragte sie uns, ob es für die Opfer einen Gedenkstein oder ähnliches gibt. Nach der Gesprächsrunde sahen wir uns einen Film über das KZ Ozarichi und die grausamen Verbrechen der Wehrmacht an.

Wie die Jahre zuvor war diese Begegnung wieder sehr bewegend für uns. Wir möchten uns an dieser Stelle bei den ehemaligen Häftlingen für ihr Vertrauen in uns bedanken, dafür, dass sie uns ihr Erlebtes erzählt und uns so herzlich mit russischen Liedern verabschiedet haben. Außerdem geht unser Dank an Beata vom Internationalen Begegnungszentrum und an Herbert vom Maximilian-Kolbe-Werk. Natürlich danken wir auch Gustav, der eine Kommunikation mit der weißrussischen Gruppe erst möglich machte.

Hintergrund zum Lager Ozarichi

Die blutigen Spuren der Verbrechen, die mit Todeslagern verbunden sind, hinterließ in Belarus auch die Wehrmacht.
Im Jahre 1944 entwickelte das Kommando der Wehrmacht einen grausamen Plan. Dieser sah vor, die Zivilbevölkerung als menschlichen Schutzschild gegen den Vormarsch der Sowjetarmee zu nutzen. Die Nazis umzäunten an der forderen Frontlinie größere Bodenflächen mit Stacheldraht und trieben dorthin Frauen, Kinder und alte Menschen. Die Nazis stellten den Menschen weder eine Unterkunft, noch Lebensmittel oder Wasser zur Verfügung. Absichtlich wurden in diese Lager Menschen gebracht, die an Fleckfieber und anderen Infektionskrankheiten erkrankt waren.
Im März 1944 wurden entsprechend der Befehle des Oberbefehlshabers der 9. Armee General Josef Harze, des Kommandeurs des 56. Panzerkorps General Friedrich Gossbach und des Kommandeurs der 35. Infanteriedivision General Georg Richter an der vorderen Frontlinie drei Lager errichtet.

Eins von ihnen befand sich im Sumpf bei dem Dorf Dertj, das andere war zwei Kilometer nordwestlich von der Ortschaft Ozarichi entfernt. Das dritte befand sich zwei Kilometer westlich von dem Dorf Podosinnik. Ende Februar — Anfang März 1944 trieben die Nazis über 50.000 arbeitsunfähige Menschen aus den Gebieten Gomel, Mogilew, Polessje in Belarus und aus den Gebieten Smolensk und Orel in Russland in die Lager. Über die Hälfte der Gefangenen waren Kinder.

Die Lager waren Sumpfwiesen, die mit dem Stacheldraht abgegrenzt und von Wachtürmen gesichert waren. Die Zufahrtswege wurden vermient. Es gab keine Gebäude und die Menschen mussten auf dem Boden schlafen. Hütten zu bauen oder ein Feuer zu machen war verboten. An die Häftlinge wurde kein Essen und kein Trinkwasser ausgegeben, auch gab es keine medizinische Hilfe. Im Gegenteil, aus den in der Nähe liegenden Dörfern wurden an Fleckfieber erkrankte Menschen in das Lager gebracht. Jeden Tag, und vor allem in der Nacht starben Hunderte von Menschen.

Am 18.-19. März 1944 befreiten die Truppen der 65. Armee der 1. Belorussischen Front aus den Lagern in Osarewitschi 33480 Menschen, darunter 15960 Kinder im Alter unter 13 Jahren.

Ein ähnliches Lager wurde im Juni 1944 am östlichen Ufer des Dnepr errichtet, in ihm befanden sich über 3.000 Menschen, die aus Mogilew und aus anderen nahliegenden Orten getrieben wurden. Ein gleiches Lager wurde auch südöstlich von Witebsk errichtet, aus dem etwa 8.000 Menschen von den Soldaten der 3. Belorussischen Front befreit wurden. Die Wehrmacht verfolgte mit der Errichtung solcher Lager mehrere Ziele: Die Lager sollten ein Schutzschild vor dem Vormarsch der Roten Armee sein und in den vorderen Truppenteilen der Roten Armee Fleckfieberepidemien verbreiten. Mit dem gezielten Töten arbeitsunfähiger Menschen und der Kinder sogenannter "Untermenschen" waren die Häftlinge es in der Logik der Nazis nicht wert, weiter leben zu dürfen und konnten vernichtet werden.

Außenlager des KZ Buchenwald in Leipzig

Vom Juni 1944 bis zum April 1945 befand sich an der Permoserstraße ein Außenlager des KZ Buchenwald. In ihm waren zeitweilig bis zu 4 600 Häftlingsfrauen aus dem KZ Ravensbrück (dann Buchenwald unterstellt) eingesperrt und für die Hugo Schneider AG (»Hasag«) in der Rüstungsproduktion, bei der Herstellung von Panzerfäusten und Granaten, eingesetzt. Ab 25. November 1944 arbeiteten auch männliche Häftlinge in diesem Werk. Ihr Lager befand sich unmittelbar am Nordwerk in der Bautzner Straße. Es waren in der Mehrzahl Jüdinnen und Juden, die in diesem Außenlager inhaftiert waren und ab dem 13. April 1945 gemeinsam mit den Insassen anderer Außenlager in Leipzig und Umgebung auf den »Todesmarsch« Richtung Wurzen – Luppa – Oschatz – Riesa, aber auch bis Döbeln, Freiberg und Teplice geschickt wurden (s. unter Glaubitz, Luppa, Malkwitz, Oschatz, Taucha, Wurzen). In den Anlagen vor den Häusern Permoserstraße 6 bis 14 erinnert ein Gedenkstein an die Opfer dieses Lagers. Dem rechteckigen Gedenkstein ist eine Tafel aus Porphyr vorgeblendet.

Neben mehreren roten Winkeln sind die folgenden Sätze zu lesen:

An dieser Stelle befand sich
1944–1945 ein Aussenlager
der Konzentrationslager
Ravensbrück und Buchenwald.
Tausende Frauen vieler Nationen
wurden hier durch den faschistischen
Rüstungskonzern HASAG unmenschlich
ausgebeutet. Wir ehren das Andenken
derer, die hier litten und starben.


Zum Seitenanfang